Die große Auswahl – Segen oder Fluch? 3 Gründe, warum “zuviel” unseren Look nicht unbedingt verbessert.

Ich bin auf etwas interessantes gestoßen. Die große vielfalt an Möglichkeiten, die wir beim Einkaufen haben verbessert unseren Look nicht, ganz im Gegenteil – sie ist eigentlich der Grund, warum wir Kleider sammeln, eigentlich alles haben und trotzdem nie einen “Look”, einen “Stil”, ein stimmiges “Gesamtbild” zustande bringen. Warum? Weil wir anscheinend darauf gepolt sind, uns alle Optionen offen zu halten. Wozu führt das? Nun, zu den folgenden drei Dingen:

1) Wir kaufen, obwohl wir es eigentlich besser wissen sollten, immer wieder Dinge, die wir nicht brauchen

Eben aus diesem Grund: wir wollen uns Optionen offen halten. Wir wissen, dass wir in den letzten drei Jahren kein bauchfreies Shirt getragen haben, nicht einmal beim Sport. Auch keinen Plisseerock und auch keinen Schlapphut. Warum passiert es uns trotzdem, dass wir in der Hitze des Gefechts, beim Abverkauf zum Beispiel, genau diese Dinge mitnehmen, obwohl wir eigentlich ganz genau wissen, dass es Ladenhüter werden, die wir im nächsten Jahr wieder verschenken, verkaufen oder ganz einfach wegwerfen? Weil wir uns die Möglichkeit offen halten wollen, vielleicht doch so auszusehen, wie das schöne, elfenhafte Model im Bohéme-Look, das wir kürzlich in einem Modemagazin gesehen haben. Oder weil wir vielleicht doch noch beschließen, dass Plisseeröcke genau unser Ding sind. Ist das rational sinnvoll? Nein. Unser Hirn läßt sich leider trotzdem dazu verleiten.

2) Wir wissen, dass wir eigentlich zu viele Kleider haben. Aber sobald wir uns von etwas trennen, haben wir auch den Impuls wieder etwas dazu zu kaufen.

Auch hier schlägt die Sorge, zu wenig Auswahl zu haben voll zu. Wenn wir den Eindruck haben, dass wir zu wenig im Schrank haben, vermittelt es uns den Eindruck, wir brauchen was. Auch wenn wir auf einer rationalen Ebene wissen, dass wir die Teile, die wir weggegeben haben niemals getragen haben. Aber sie waren da! Besitz besitzt, daran führt kein Weg vorbei. Und der Nicht-Besitz der weggegebenen Kleidungsstücke kann uns ziemlich unrund machen.

3) Wir wissen im Grunde genommen genau, was unser Stil ist und wie wir aussehen wollen – geschafft haben wir es aber irgendwie noch nie.

Auch hier ist uns die Angst, uns eine Möglichkeit zu versagen im Weg. Wir wissen auf einer rationalen Ebene, was uns steht und was wir mögen. Wir greifen in unseren Kleiderschränken auch immer wieder zu den selben Stücken. (Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Menschen von allem, was sie in ihren Kleiderschränken haben, nur etwa 10% wirklich oft und gerne tragen…) Auf einer unbewußten Ebene und vor allem auch durch Verankerung von bestimmten “Looks”, die wir in der Werbung oder in den Medien sehen, weichen wir aber immer wieder von unserer eigentlichen Zielvorstellung für unseren Look, unser Image ab. So funktioniert Werbung: sie will uns davon überzeugen etwas zu kaufen, was wir gar nicht brauchen.

Na gut – was tun?

Nun ja, vielleicht sollten wir uns diesen Mechanismus jedes Mal bewußt vor Augen führen, wenn wir im Abverkauf vor einem anscheinend unwiderstehlichen Angebot stehen. Wir sollten jedes Mal gut überlegen, ob wir es wirklich brauchen oder ob wir nur dem Impuls folgen, uns Auswahlmöglichkeiten zu schaffen, die wir dann doch nicht nutzen werden. Und die uns Geld kosten. Machen Sie sich bewußt, dass Sie eigentlich wissen, wer Sie sind, und dass Sie all diese unnötigen Auswahlmöglichkeiten gar nicht brauchen. Sie wollen sich nicht verkleiden, sie wollen einen authentischen Look tragen, in dem Sie sich wohl fühlen. Natürlich passen wir uns regelmäßig ein bisschen an, wir verändern uns und damit verändert sich im Lauf der Zeit auch unser Image und unser Look. Das bedeutet aber nicht, dass ich jederzeit alle Möglichkeiten in meinem Schrank verfügbar haben muß. Veränderungen passieren nicht über Nacht, sondern im Laufe der Zeit – und wenn Sie jeden Tag einen ganz anderen Look vorführen und sich damit täglich ein ganz anderes Aussehen geben haben Sie keinen eigenen Stil, sondern einen Kostümball. Das unterminiert Ihren Wiedererkennungswert und Ihr Image. Stil muss nicht kompliziert sein, ganz im Gegenteil:

Mit den unsterblichen Worten von Coco Chanel: “Stil bedeutet, sich zum Einfachen zu bekennen. Einfachheit ist nicht Armut.”

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