Styling – Aussehen – Look: warum legen wir so viel Wert darauf?

Weil wir können

Der Mensch ist das Lebewesen, das über sein Äußeres bestimmen kann. Er/Sie/Es kann bewußte Entscheidungen darüber treffen, wann er/sie/es was verwenden möchte, um seine Optik zu gestalten, um möglichst vorteilhaft auszusehen – für sich selbst oder für das Auge des Betrachters.

Weil wir uns gegenseitig betrachten und dabei bewerten

Was auch immer wir an einem bestimmten Tag entscheiden anzuziehen hat, sobald wir die Wohnung verlassen, eine Außenwirkung. Andere sehen und beobachten uns und ziehen aus unserer Kleidung bzw. aus unserer Gesamterscheinung (Haltung, Körpersprache, Stimmfarbe, etc. …) Rückschlüsse darauf, wer wir den sind – ob uns das nun gefällt oder auch nicht.

Sie schließen auf unseren soziale Stellung, auf unseren finanziellen Status, auf unsere Gesinnung, also praktisch alles Mögliche und Unmögliche. Diese (bewussten oder unbewussten) Rückschlüsse beruhen auf einer Art gesellschaftlichen Übereinkunft, auf sozial erlernten Erfahrungswerten (ich will es hier einmal so bezeichnen), die wir unbewusst von Kindesbeinen an beobachten und erfahren und daher ständig bei der Betrachtung und Bewertung unseres Gegenübers anwenden.

Die Kleidung und die dazu gewählten Accessoires sind also alles andere als unwichtig, sondern ein essentieller Bestandteil unserer täglichen Interaktion mit anderen Menschen, mit unserem Umfeld. Sie transportieren eine Botschaft, und wir sollen uns bewußt machen, welche Botschaft wir selbts eigentlich ständig mit uns herumtragen.

Weil wir darin auch eine kreative Ausdrucksmöglichkeit sehen

Die Tatsache, dass wir uns (zumindest in unseren Breiten 🙂 ) bekleiden müssen, um in der Öffentlichkeit aufzutreten, und dass wir anhand unserer Optik betrachtet und bewertet werden, ganz unwilkürlich, ob wir das nun wollen oder nicht, gibt uns aber die Möglichkeit, diesen Umstand bewusst mit einzukalkulieren. Wir können absichtlich und bewusst gesteuert ein Image kreieren, wir können in der Öffentlichkeit und in userem sozialen Umfeld jederzeit gezielt so auftreten, wie wir wahrgenommen werden wollen. Wir können meister unserer Erscheinung werden und uns als ganze Persönlichkeit authentisch ausdrücken. Nein, wir können nicht nur, wir sollen sogar! Es macht Spass!

Farbe und Stil

Neben den bereits besprochenen Farben – und Nichtfarben – gibt es noch viele, viele weiter – die Mischungsmöglichkeiten und die dabei entstehenden Nuancen kennen keine Grenzen.

Wie bereits festgestellt und bei den einzelnen Farben besprochen haben wir zu jeder Farbe bestimmte Assoziationen, manchmal archaischer Natur (Rot wie Blut) manchmal aufgrund unserer kulturellen und sozialen Herkunft (Schwarz bei Trauer, Weiß bei Hochzeiten, …). Diese Assoziationen werden einerseits für Warnungen, Hinweise und im Straßenverkehr benutzt: Stopschilder sind immer Rot – sie weisen auf Gefahr hin; Ausgäng oder Fluchtwege werden Grün gekennzeichnet – Grün bedeutet Sicherheit; Richtungspfeile sind oft Blau – sie ordnen. Genauso werden diese Assoziationen für die Produktwerbung verwendet – Putzmittel oder Hygieneprodukte sind daher meist Blau oder Weiß verpackt – weil wir diese Farben mit Ordnung und Sauberkeit in Zusammenhang bringen. Bioware wird Grün oder Braun verpackt – etc.

Dieses Wissen um die Wirkung der Farben und ihre psychologische Bedeutung kann nun auch für den persönlichen Stil eingesetzt werden. Genau damit werde ich mich in den nächsten Wochen beschäftigen: warum sind Business-Outfits in neutralen Farben gehalten? Wann und wo ist es gut mit Farbe im Outfit zu spielen? Wie kann ich bei einem öffentlichen Auftritt mehr Aufmerksamkeit erlangen? Was ist in welcher Situation angemessen? Was bedeuten Dresscodes und muss ich mich an den vorgegebenen Dresscode halten?

Wer Fragen hat, darf sie stellen! Ich freue mich auf Ihr / Euer Feedback!

Die “Nichtfarben” – Schwarz, Weiß und Grau

Ja, wir mögen sie und tragen sie oft und gerne. Wir bezeichnen sie auch als Neutralfarben. Die sogenannten “Nichtfarben” – sie heißen so, weil sie physikalisch durch additive (Weiß) oder subtraktive (Schwarz) Farbmischung zustande kommen, und man daher umgangssprachlich sagt, dass sie “alle Farben” enthalten. Grau liegt in vielen, vielen Abstufungen irgendwo dazwischen, Grau ist allerdings auch eine sogenannte “Fließfarbe”, das heißt, es kann eine dritte Farbe beigemischt sein, um dem Grau nochmals eine ganz andere Nuance zu verleihen. So gibt es Graus die ins Grün gehen oder ins Gelb, ins Blau, ins Braun oder ins Violett und so weiter. Je nach dieser Beimischung wird ein Grau auch wärmer (d.h. gelbstichig) oder kühler (d.h. blaustichig).

Schwarz wird gerne getragen. Es heißt, daß es immer elegant ist und schlank macht. Zum Teil stimmt das auch. Schwarz ist aber auch  die Farbe der Anarchie und des Todes und der Trauer (zumindest in unseren Breiten; in Südostasion ist oft Weiß die Trauerfarbe).

Weiß steht für Reinheit und Unschuld; die Braut trägt Weiß, auch wenn diese Mode erst von Königin Viktoria bei ihrer Hochzeit mit Albert von Sachsen-Coburg eingeführt wurde. Davor trug eine Braut einfach ihr bestes Kleid, und das konnte durchaus auch Schwarz sein. Aber weiß gilt auch  als steril und unnahbar. So tragen Ärzte zum Beispiel weiß.

Grau ist so ein Mittelding. Wie Beige steht es für Unauffälligkeit und Zurückhaltung.

Was aber allen diesen Farben – oder “Nichtfarben” – zu eigen ist: sie lassen eine lebhafte Farbe in in ihrer unmittelbaren Gegenwart noch mehr strahlen, sie heben den Kontrast. Schwarz und Weiß nebeneinander ist der stärkste Kontrast überhaupt, aber auch ein lebhaftes Pink, ein Gelb oder ein Blitzblau werden neben Schwarz oder Weiß verstärkt. Bei Grau ist der Effekt nicht so stark, es kommt hier sehr auf die verwendete Graunuance an. Wenn sie selbst ein kontrastreicher Farbtyp sind können Sie diesen Effekt nutzen und ihr eigenes Kontrastreichtum unterstreichen.

Reines, tiefes Schwarz oder sehr reines, strahlendes Weiß alleine stehen den wenigsten Menschen, hier ist oft eine sehr dunkles Espressobraun oder ein sehr dunkles Anthrazitgrau bzw. ein Cremeweiß oder Wollweiß besser. Ein passende hingegen Graunuance findet sich für jeden!